MediaTek Dimensity 8300
MediaTek Dimensity 8300: Warum sechs GPU-Kerne nicht immer schneller sind als fünf
Der MediaTek Dimensity 8300 ist mit zwei Konfigurationen der Mali-G615-Grafikeinheit erhältlich. Im Lenovo Idea Tab Pro ist die Version mit fünf Kernen verbaut, im geschützten Smartphone Tank 4 Pro die Variante mit sechs. Letzteres erzielt im 3DMark Steel Nomad Light 34 % mehr Punkte. Das POCO X6 Pro mit der sechskernigen Grafik bleibt dagegen sogar hinter dem Lenovo zurück. Der Unterschied wird nicht nur von den technischen Daten des Prozessors bestimmt, sondern auch davon, wie der Hersteller das Gerät abgestimmt hat.
Architektur: Cortex-A715 statt Cortex-A78
Der Dimensity 8300 wurde im November 2023 vorgestellt. Er wird von TSMC im 4-nm-Verfahren gefertigt und verfügt über acht Prozessorkerne:
- 1 × Cortex-A715 mit bis zu 3,35 GHz.
- 3 × Cortex-A715 mit bis zu 3,2 GHz.
- 4 × Cortex-A510 mit bis zu 2,2 GHz.
Der Vorgänger Dimensity 8200 besitzt ebenfalls vier Performance-Kerne, allerdings auf Basis der Cortex-A78-Architektur. Der Wechsel zu Cortex-A715 und A510 steigerte die Leistung, ohne die Anzahl der Kerne zu erhöhen. MediaTek sprach von einem CPU-Leistungszuwachs von mehr als 20 % und bis zu 60 % bei der Grafik.
Der Chip unterstützt LPDDR5X mit Geschwindigkeiten von bis zu 8533 MT/s sowie UFS-4.0-Speicher. Die tatsächlichen technischen Daten hängen jedoch vom jeweiligen Gerät ab. So verwendet das Lenovo Idea Tab Pro mit 128 GB UFS 3.1, während die 256-GB-Version UFS 4.0 erhalten hat.
Mali-G615: fünf oder sechs GPU-Kerne
Die Mali-G615-Grafikeinheit ist in zwei Konfigurationen erhältlich:
- MC6 - sechs GPU-Kerne, eingesetzt im Tank 4 Pro und in Smartphones mit Dimensity 8300 Ultra.
- MC5 - fünf GPU-Kerne, verbaut im Lenovo Idea Tab Pro.
Bei identischen Taktraten verfügt die MC6 über mehr Rechenressourcen. Die Grafikleistung hängt jedoch auch vom Energieverbrauch, der Kühlung und den Treibern ab.
Die Mali-G615 unterstützt hardwarebeschleunigtes Raytracing, obwohl die meisten mobilen Spiele darauf verzichten. Für die Bewertung der Grafik ist es daher sinnvoller, mehrere Tests miteinander zu vergleichen, statt sich nur am Solar Bay zu orientieren.
Benchmarks von Dimensity 8300 und 8300 Ultra
| Gerät und Prozessor | Geekbench 6 Single | Geekbench 6 Multi | 3DMark Steel Nomad Light | 3DMark Solar Bay | Preis |
|---|---|---|---|---|---|
| Lenovo Idea Tab Pro, Dimensity 8300 (MC5) | 1405 | 4438 | 881 | 3688 | $350 |
| Unihertz Tank 4 Pro, Dimensity 8300 (MC6) | 1396 | 4257 | 1179 | 4794 | $650 |
| POCO X6 Pro, Dimensity 8300 Ultra (MC6) | 1370 | 4509 | 852 | 3458 | $299 |
| Redmi K70E, Dimensity 8300 Ultra (MC6) | 1493 | 4708 | 1182 | 4614 | $282 |
Die Preise sind die US-Dollar-Preise zum Zeitpunkt der Markteinführung der Geräte. Für das Redmi K70E wurde das Äquivalent des Startpreises in China verwendet.
CPU: Der Unterschied bleibt innerhalb von 11 %
Im Geekbench 6 Multi-Core liegen die Ergebnisse zwischen 4257 und 4708 Punkten. Das Redmi K70E führt, während das Tank 4 Pro den letzten Platz belegt.
Alle vier Geräte besitzen dieselbe CPU-Architektur. Die Unterschiede hängen daher mit den Einstellungen für die Leistungsaufnahme, der Kühlung und den Testbedingungen zusammen. Das Präfix „Ultra“ bringt allein keinen Vorteil.
GPU: Die Unterschiede erreichen 38 %
Im Steel Nomad Light erzielt das Tank 4 Pro 1179 Punkte gegenüber 881 Punkten beim Lenovo Idea Tab Pro. Der Vorteil der sechskernigen Mali-G615 beträgt 34 %.
Solar Bay zeigt ein ähnliches Bild: 4794 gegenüber 3688 Punkten, also ein Unterschied von 30 %. Dieser Test verwendet jedoch hardwarebeschleunigtes Raytracing, weshalb sich seine Ergebnisse nicht direkt auf gewöhnliche Spiele übertragen lassen.
Interessanter ist der Vergleich mit dem POCO X6 Pro. Trotz der Mali-G615 MC6 erreicht das Smartphone im Steel Nomad Light lediglich 852 Punkte - weniger als das Lenovo-Tablet mit fünf GPU-Kernen. Zwischen dem POCO X6 Pro und dem Redmi K70E, die beide mit einem Dimensity 8300 Ultra ausgestattet sind, beträgt der Unterschied in diesem Test bis zu 38 %.
Die Anzahl der GPU-Kerne bestimmt die Möglichkeiten der GPU, garantiert aber nicht die entsprechende Geschwindigkeit im fertigen Gerät.
Spiele und Throttling
Der Dimensity 8300 kommt mit Genshin Impact, PUBG Mobile, Call of Duty: Mobile und anderen anspruchsvollen Spielen zurecht. Die maximale Leistung in einem kurzen Test zeigt jedoch nicht, wie stabil die FPS nach einer halben Stunde bleiben.
Das Tank 4 Pro veranschaulicht dieses Problem besonders deutlich. In einem längeren Test sank die CPU-Leistung innerhalb von 30 Minuten um 46 %, während die GPU nach 20 Minuten 40 % ihrer Leistung einbüßte.
Ein Smartphone mit hohen Spitzenwerten kann sich nach dem Aufwärmen daher deutlich verlangsamen. Für längere Gaming-Sitzungen ist die Stabilität der Taktraten wichtiger als ein Unterschied von einigen hundert Punkten im 3DMark.
Dimensity 8300 gegenüber 8300 Ultra und 8350
Der Dimensity 8300 Ultra kommt im POCO X6 Pro und im Redmi K70E zum Einsatz. Es handelt sich um eine für Xiaomi angepasste Version der Plattform mit derselben CPU-Architektur und einer Mali-G615 MC6.
Die Tests zeigen keinen konstanten Vorteil des Ultra-Modells. So liegt beispielsweise der gewöhnliche Dimensity 8300 im Tank 4 Pro in beiden Grafikbenchmarks vor dem POCO X6 Pro.
Der später veröffentlichte Dimensity 8350 verfügt ebenfalls über vier Cortex-A715-, vier Cortex-A510-Kerne und eine Mali-G615 MC6. Die maximale CPU-Taktrate blieb mit 3,35 GHz unverändert.
Die wichtigste Änderung ist die Gaming-Engine StarSpeed Engine, die für die Steuerung von Leistung und Energieverbrauch vorgesehen ist. MediaTek verspricht eine bessere Bildstabilität und Energieeffizienz, der tatsächliche Effekt hängt jedoch vom Spiel und der Umsetzung im jeweiligen Gerät ab.
Der Dimensity 8350 bietet daher gegenüber dem 8300 keinen grundlegenden Sprung bei der Rechenleistung. Ein Aufpreis lohnt sich nur, wenn das Smartphone andere Vorteile bietet.
Kameras und Konnektivität
Der Dimensity 8300 unterstützt Kameras mit bis zu 320 MP, 4K-Videoaufnahmen mit 60 Bildern/s und die hardwarebeschleunigte AV1-Dekodierung. Für die Bildverarbeitung und Aufgaben der künstlichen Intelligenz kommt die APU 780 zum Einsatz.
Das 5G-Modem ermöglicht theoretische Download-Geschwindigkeiten von bis zu 5,17 Gbit/s. Außerdem werden Wi-Fi 6E und Bluetooth 5.4 unterstützt.
Lohnt sich der Kauf eines Dimensity 8300 im Jahr 2026?
Drei Jahre nach seiner Vorstellung bietet der Dimensity 8300 noch immer genügend Leistung für die meisten Anwendungen und mobilen Spiele. Die Ergebnisse der einzelnen Geräte unterscheiden sich jedoch stärker, als man anhand ihrer technischen Daten erwarten könnte.
Das Lenovo Idea Tab Pro mit Mali-G615 MC5 bleibt hinter schnelleren MC6-Implementierungen zurück. Doch selbst eine sechskernige GPU garantiert keinen Vorteil. Das Tank 4 Pro schneidet in kurzen Tests hervorragend ab, verlangsamt sich unter längerer Last jedoch deutlich.
Der Dimensity 8300 Ultra hat keinen garantierten Vorteil gegenüber der normalen Version, und der Dimensity 8350 bringt keine nennenswerten architektonischen Änderungen bei der CPU.
Fazit: Der Dimensity 8300 bleibt ein konkurrenzfähiger Prozessor. Im Jahr 2026 spielt jedoch das konkrete Gerät die entscheidende Rolle. Für Spiele sind Kühlung und stabile FPS wichtig, bei der alltäglichen Nutzung zählen Preis, Display, Akkulaufzeit und die Dauer der Android-Updates. Wenn die übrigen Eigenschaften identisch sind, lohnt es sich nicht, allein für das Präfix „Ultra“ oder den neueren 8350 mehr zu bezahlen.
SOC-Vergleich
Dimensity 8300 mit anderen SOCs vergleichen
Basic
3x 3.2 GHz – Cortex-A715
4x 2.2 GHz – Cortex-A510
GPU-Spezifikationen
Konnektivität
Speicherspezifikationen
Verschiedenes
Benchmarks
Smartphones mit Dimensity 8300
Tablets mit Dimensity 8300
Vergleich von Geräten mit Dimensity 8300
Im Vergleich zu anderen SoCs
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